Ich bin überzeugte Pazifistin. Und doch schlummert, nein brodelt in mir die Kampfeslust. Meine Waffen sind spitz und einsatzbereit. Für jeden Angriff und jede Verteidigung das passende Geschütz. Ich bin gerüstet, in die Konfrontation zu gehen. Jederzeit.
Ein Panzer umhüllt mich – zur Sicherheit. Ein Schutz, der Übergriffen standhält und abprallen lässt, was mich bedroht. Meine Fühler wittern jede Gefahr! Nur von außen zwar, aber was ist schon perfekt auf dieser Welt?
In mir lebt eine Kriegerin, die den Kampf nie scheute – auch dann nicht, wenn ein Friendly Fire drohte, und schon gar nicht, wenn das, wonach ich mich sehnte, nur mit Sanftheit und Ruhe zu erlangen war. Nichts schien mir ferner, als eine sofortige Reaktion.
Ich, die Antiheldin in meiner eigenen Geschichte – ein Plot-Twist, den ich nicht kommen sah. Wie sehr war mein Herz verschlossen, als ich mein Glück schrammte. Wie stolz und trotzig, als ich es zu Boden rang.
Was bedeutet schon Selbstgerechtigkeit, wenn das Recht ganz klar auf meiner Seite schien? Was Härte und Unbeugsamkeit, wenn ich nichts weiter im Sinn hatte, als klar zu sein und Haltung zu wahren? Ich hatte keine Idee.
Lässt sich Glück wiederbeleben? Kann man Demut lernen? Und woher bloß das Vertrauen nehmen, dass Liebe vor allem Verbundenheit ist, die nicht im Kampf entsteht, sondern gemeinsames Wachsen braucht?
Der Gedanke, mich verwundbar zu machen, wiegt schwer. Schwerer noch als jeder Kampf und jedes Gefecht. Mir ist, als stünde meine Würde auf dem Spiel, ganz zu schweigen von der Achtung vor mir selbst.
Shakespeare aber war sich sicher: „They do not love that do not show their love.“ Und wenn es einer weiß, dann wohl er. So wage ich es schließlich: Ich höre auf zu kämpfen und lege mit klopfendem Herzen meine Waffen nieder. Bereit, der Liebe auf neue Weise zu begegnen.
Fräulein Athene
Zum Nach- und Weiterlesen:
Orange Hippo! (Hrsg.). (2024): The little book of Shakespeare on love. Orange Hippo!
