Ich check’s

Ich gebe mir Mühe, wirklich. Schließlich muss es doch auch mir gelingen, dahinter zu steigen. Endlich zu checken, wie es funktioniert, dieses Leben. Alle um mich herum scheinen es auch zu können. Selbst von meinen Kindern hallt es mir entgegen: „Mama, ich check‘!“ Nicht selten auch in der konsternierten Variante: „Wirklich Mama, checkst du immer noch nicht?“

Was soll ich sagen? Grammatikalisch betrachtet, fehlt das Objekt. „Checken“ ist ein transitives Verb. Aber damit brauche ich einem Teenager nicht zu kommen, für den „Ich geh‘ Kudamm“ zum alltäglichen Sprachgebrauch gehört. Präpositionen und Artikel sind mittlerweile anscheinend ähnlich überbewertet. Ich gestehe, ich hege bisweilen doch Sympathie für Christoph Maria Herbst in seiner Rolle als Stephan Berger in „Name“-Trilogie von Sönke Wortmann.

Dabei check‘ ich bereits einiges, vor allem über das Checken selbst. Zum Beispiel, dass das Box-Checking einer Bucketlist für mich keinen Sinn mehr ergibt. Es scheint mir zunehmend absurd, auch nur zu versuchen, meinem Leben eine perfekte Dramaturgie zu verpassen, an einer großen Lebensaufgabe festzuhalten oder alles einem langfristigen Lebensziel unterzuordnen. Stattdessen checke ich zunehmend, wie erstaunlich interessant mein Leben bereits ist. Wie es mir immer wieder erlaubt, mich gelegentlich nahezu zwingt, neu zu denken und anders zu fühlen.

Ich mache es konkret:
Nachts im Schlafanzug meine Teenager-Tochter aus einem Uber auslösen – check.
Elternbetreuung einer Klassenübernachtung in der Schulturnhalle – check.
Fuß durch einen Sturz von der Bordsteinkante gebrochen – check.
Drei Stunden Herr-der-Ringe-Film mit meinem Sohn –check.
Chauvinistischen Sprüchen im Job pariert – check.
Allein in den Urlaub fahren, auch wenn ich es lieber zu zweit getan hätte – check.

Einzigartiger als jede Bucketlist und – bei aller Bescheidenheit –eines Entwicklungsromans würdig. Deshalb finde es auch nur bedingt überzogen, es mit Chuck Norris zu halten: „Chuck Norris schreibt keine Bucketlist. Er checkt das Leben ab, bis das Leben eine Chuck-Norris-List schreibt.“

Wenn meine Kinder also das nächste Malrührend besorgt nach meiner inneren Verfasstheit fragen, kann ich sie leichten Herzens beruhigen: Ich check’s, auf meine Weise.

Fräulein Athene

Zum Weiterlesen:
Zühlke, R. (2026, 15. Mai). Das bessere Glück. Psychologie Heute, 6, 98.